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Neues aus Medizin und Wissenschaft

Viele Menschen sind davon überzeugt, dass die Mondphasen ihren Schlaf beeinflussen. So leiden angeblich viele Menschen bei Vollmond unter Schlafstörungen. Im Gegensatz zu früheren Studien konnten Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München dies nicht bestätigen. Sie stellten bei ihren Recherchen zudem fest, dass die vorhandenen Studien zum Teil widersprüchliche Ergebnisse haben: In manchen Studien schienen sich die Mondphasen besonders auf Frauen auszuwirken, in anderen wiederum vor allem auf Männer.

Die Münchener Forscher analysierten bereits vorhandene Datensätze von mehr als 2.000 Nächten bei 1.265 Probanden. „Wir konnten dabei die Ergebnisse früherer Studien nicht bestätigen“, berichtet der Neurowissenschaftler Martin Dresler. Im Rahmen ihrer Forschungen fand das Münchener Team allerdings weitere unveröffentlichte Analysen von mehr als 20.000 Schlafnächten, welche ebenfalls keinen Einfluss des Mondes feststellen konnten. Dadurch waren offensichtlich Studien mit positivem Befund zum Zusammenhang von Schlaf und Mondphasen bislang in der wissenschaftlichen Literatur überrepräsentiert.

Quelle: Cordi M et al., Current Biology, 2014;24(12), doi:10.1016/j.cub.2014.05.017

 

Multitasking stört das Langzeitgedächtnis

Menschen mit MS haben oft das Gefühl, ihr Gedächtnis lasse nach. Solchen Phänomenen lässt sich aktiv entgegenwirken: Denn wer sich beim Lernen immer wieder ablenken lässt, riskiert, seine Erinnerung ans Gelernte zu „überschreiben“. Das berüchtigte Multitasking ist somit Gift für ein zuverlässiges Gedächtnis. Wer hingegen den Lernstoff wiederholt, speichert ihn leichter und zuverlässiger in seinem Langzeitgedächtnis ab.

Warum das so ist, hat die Arbeitsgruppe um Professor Dr. Martin Korte von der TU Braunschweig untersucht. Die Wissenschaftler haben an Gehirnen von Nagetieren zeigen können, dass die Informationsspeicherung im Gehirn in einer Art Wettbewerb funktioniert. Dabei konkurrieren Informationsreize um spezielle, die Speicherung im Langzeitgedächtnis fördernde Eiweißstoffe (Proteine). Wird eine Information aufgenommen und innerhalb einer gewissen Zeitspanne ein zweiter Reiz gesetzt, der mit der Erinnerung assoziiert ist, wird diese gestärkt. Ist der zweite Reiz jedoch unabhängig, kann er die Eiweißmoleküle der ersten Erinnerung „kapern“. Damit geht die erste Erinnerung verloren, die zweite wird jedoch erfolgreich abgespeichert.

Der Wettbewerb der Erinnerungsreize um Proteine erklärt, warum Multitasking das Lernen stört. Denn durch gleichzeitiges Internet-Surfen, Fernsehen oder die Beschäftigung mit anderen Lernstoffen treten neue Reize in Konkurrenz zum Gelernten. Dann entscheidet mehr oder weniger der Zufall darüber, welche Information es tatsächlich ins Langzeitgedächtnis schafft.

Quelle: Sajikumar S et al., PNAS 2014, doi:10.1073/pnas.1403643111

 

Implantierte Nervenzellen werden Teil des Gehirns

Aus Hautzellen erzeugte Nervenzellen langfristig stabil in das Gehirn von Mäusen zu integrieren, ist Wissenschaftlern der Universität Luxemburg gelungen. Sechs Monate nach der Implantation waren die Nervenzellen voll funktionsfähig in das Gehirn integriert.

Die erfolgreiche, langfristig stabile Implantation der Nervenzellen nährt die Hoffnung, künftig neue Therapieformen entwickeln zu können, um zum Beispiel kranke Nervenzellen des Gehirns durch gesunde Nervenzellen zu ersetzen. Ihre Ergebnisse haben die Luxemburger Forscher um Professor Dr. Jens Schwamborn und Kathrin Hemmer in der Fachzeitschrift „Stem Cell Reports“ publiziert.

„Therapieerfolge beim Menschen sind noch Zukunftsmusik, aber ich bin mir sicher, dass es eines Tages erfolgreiche Zellersatztherapien geben wird. Unsere Forschungsergebnisse sind ein weiterer Schritt in diese Richtung“, erläutert Stammzellforscher Professor Schwamborn die neuen Befunde.

Quelle: Hemmer K et al., Stem Cell Reports 2014,3;423–431

Neuer Mosaikstein auf dem Weg zu innovativen Therapieoptionen 

Spezielle weiße Blutzellen, die sogenannten T-Helferzellen, sind von entscheidender Bedeutung bei der Entwicklung einer Multiplen Sklerose. Wissenschaftler der Berliner Charité Universitätsmedizin haben jüngst im Tiermodell eine neue Klasse dieser T-Helferzellen beschrieben, die die Bildung von GM-CSF (Ganulozyten-Makrophagen- Kolonie stimulierender Faktor) anregt.

Da der GM-CSF eine wichtige Rolle bei Entzündungsprozessen im Gehirn bei einer Multiplen Sklerose spielt, können die neuen Erkenntnisse der Arbeitsgruppe um Rebecca Noster und Christina E. Zielinski möglicherweise wie ein kleiner Mosaikstein den Weg zur Entwicklung neuer Behandlungsformen in der Zukunft ebnen.

Quelle: Noster R, Sci Transl Med 2014, doi: 10.1126/scitranslmed.3008706

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