Im Fokus

Aufbruch in eine neue Zeit

Neue Therapiekonzepte in der MS

Es gibt grundlegende Änderungen der Therapiekonzepte bei der Multiplen Sklerose. Die früher übliche Differenzierung in Basis- und Eskalationstherapie ist dabei passé, die Behandlung richtet sich vielmehr an der Aktivität der MS aus.

Auch nach der Diagnose MS lässt sich das Leben genießen. Neue Therapien können dabei besser denn je helfen.

Multiple Sklerose – sobald die Diagnose im Raum steht, machen sich Ängste und Sorgen breit: Was bedeutet diese Krankheit für mein weiteres Leben? Wie lange werde ich mit der MS in meinem Alltag alleine zurechtkommen? Wie lange kann ich wohl meinen Beruf noch ausüben? Werde ich noch gehen können oder droht mir ein Leben im Rollstuhl? Werde ich eine zunehmende Belastung für meine Angehörigen sein? Eventuell sogar schon bald zu einem Pflegefall werden?

Bei kaum einem Krankheitsbild hat es in jüngster Zeit so große Fortschritte gegeben wie bei der Multiplen Sklerose. Zwar ist die Erkrankung, deren wichtigstes Merkmal Entzündungsprozesse im Bereich des Nervensystems sind, nach wie vor nicht heilbar, es gibt jedoch Fortschritte beim Krankheitsverständnis, bei der Diagnostik und auch bei der Behandlung. In der Öffentlichkeit ist das jedoch bislang wenig bekannt. Das dürfte mitunter ein Grund dafür sein, dass sich noch viele Mythen um das Thema MS ranken und die Erkrankung oft mit dem Bild eines Lebens im Rollstuhl assoziiert wird.

Fortschritte bei der MS: Basis- und Eskalationstherapie sind passé

Seit gut 25 Jahren gibt es effektive Behandlungsmöglichkeiten der Multiplen Sklerose. Durch die medikamentöse Therapie wurde es erstmals möglich, direkt in die immunologischen Prozesse bei der MS einzugreifen, das Krankheitsbild zu kontrollieren und der Entwicklung von Behinderungen entgegenzuwirken.

Im Laufe der vergangenen Jahre wurden mehrere neue Therapieoptionen verfügbar, mit denen sich das Fortschreiten der Erkrankung hemmen lässt. Je nachdem wann die jeweiligen Wirkstoffe üblicherweise eingesetzt werden, wurde eine Basis- oder eine sogenannte Eskalationstherapie betrieben. Die beiden Begriffe haben lange Zeit das therapeutische Vorgehen bei der Multiplen Sklerose geprägt.

Eine individuellere MS Therapie nach den Bedürfnissen des Betroffenen ist möglich. Davon können auch Familie und Angehörige profitieren.

Neues Krankheitsverständnis: Auf die Aktivität der MS kommt es an

Inzwischen sind die beiden Begriffe passé. Denn es gibt Neuerungen bei der Behandlung der MS. Diese haben zum einen die therapeutischen Möglichkeiten erweitert, zum anderen aber auch zu einem neuen Krankheitsverständnis geführt. Das hat bereits Niederschlag in den aktuellen Leitlinien* der Fachgesellschaften gefunden. So sehen die gemeinsamen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und des Krankheitsbezogenen Kompetenznetzes Multiple Sklerose (KKNMS) nicht mehr wie früher eine Unterteilung in eine Basis- und eine Eskalationstherapie vor. Unterschieden wird vielmehr nach der Krankheitsaktivität. Konkret richtet sich die Behandlung entsprechend der Leitlinien somit nun danach, wie aktiv die Multiple Sklerose im Einzelfall verläuft, ob also, wie es in den Leitlinien heißt, eine „milde/moderate“ oder eine „(hoch)aktive Verlaufsform“ vorliegt.

Diese Änderung der Leitlinien, an denen sich die Ärzte orientieren, signalisiert den Aufbruch in eine neue Zeit bei der Multiplen Sklerose. Die Behandlung erfolgt nicht länger schematisch, sondern richtet sich direkt nach der individuellen Situation des Patienten – beispielsweise danach, wie häufig Krankheitsschübe auftreten, wie schwer diese verlaufen und inwieweit sich mit den diagnostischen Verfahren Krankheitsherde im Gehirn und im Rückenmark nachweisen lassen.

Diagnose MS: Das Leben nimmt eine Wende

Doch trotz aller Fortschritte bleibt die Multiple Sklerose wohl auf lange Sicht eine nicht heilbare Erkrankung. Die „Diagnose MS“ bedeutet daher für die Betroffenen in aller Regel eine Wende in ihrem Leben und signalisiert auch auf persönlicher Ebene einen Aufbruch in eine neue Zeit. Gilt es doch, sich damit auseinanderzusetzen, chronisch erkrankt zu sein und die MS quasi als Begleiter für den Rest des Lebens zu akzeptieren. Es ist verständlich und normal, dass dieser Prozess eine gewisse Zeit braucht und dass sich die meisten Menschen mit MS in der ersten Zeit nach der Diagnose damit schwertun, die Erkrankung anzunehmen.

Jung, frei und das Leben vor sich – mit MS.

Je rascher jedoch die Krankheitsakzeptanz aufgebaut wird, umso besser sind die Weichen für das weitere Leben mit der MS zu stellen. Das gilt insbesondere für den beruflichen Werdegang. Denn häufig sind junge Erwachsene von der MS betroffen. Sie können die Erkrankung möglicherweise beim Studium und bei der Berufswahl berücksichtigen. Ist der Betreffende bereits ins Berufsleben gestartet, kann es sein, dass eine Neuorientierung notwendig ist. Und auch wenn sich trotz der therapeutischen Fortschritte Behinderungen im Verlauf der MS einstellen, kann ein beruflicher Neuanfang notwendig werden.

Die eingetretenen Pfade zu verlassen, kann schwierig sein. Jede Neuorientierung ist aber nicht nur ein Abschied von Gewohntem, sondern bietet auch Chancen. Am besten werden dabei diejenigen den Weg in die neue Zukunft bewältigen, die sich aktiv mit der Erkrankung auseinandersetzen. Wer sich gut über die Möglichkeiten der Behandlung informiert, sich mit möglichen Beeinträchtigungen frühzeitig vertraut macht und die vielen Beratungs- und Unterstützungsangebote zur Krankheitsbewältigung, die Menschen mit MS heutzutage geboten werden, nutzt, kann die Wende in seinem Leben durchaus auch positiv – als Aufbruch in eine neue Zeit – erleben.

* Therapieempfehlungen des Kompetenznetzes Multiple Sklerose (KKNMS), Stand 23.04.2014: http:/www.kompetenznetzmultiplesklerose.de/images/stories/PDF_Dateien/Leitlinie/dgnkknms_ms-ll_20140423.pdf (eingesehen am 23.09.2014)

Apropos

Beratung und Tipps für viele Lebenssituationen – unter anderem für die Bereiche Ausbildung und Arbeit – finden Sie im Internet unter http://www.einfach-teilhaben.de vom Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS).

Informationen und Ratschläge zur beruflichen Situation bei der MS einschließlich einer Jobbörse für Menschen mit Behinderungen bietet ferner die Webseite www.myhandicap.de der gemeinnützigen Stiftung MyHandicap.

Der MS Begleiter bietet unter Downloads einen Wegweiser durch die Arbeitswelt: www.ms-begleiter.de

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