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Provoziert die Darmflora eine Multiple Sklerose?

Darm - IconEin Zusammenhang zwischen der Darmflora und dem Auftreten einer Multiplen Sklerose wird bereits länger diskutiert. Aktuelle Ergebnisse einer Forschergruppe um Professor Dr. Reinhard Hohlfeld und Professor Dr. Hartmut Wekerle aus München1 scheinen die Hypothese nun zu bestätigen. 

Die Wissenschaftler haben zunächst genveränderte Mäuse mit einem hohen Anteil an autoreaktiven Zellen erzeugt. Solche Zellen sind beim Menschen maßgeblich an der Entwicklung einer MS beteiligt. Was ihre Aktivierung und damit die Entwicklung der MS begünstigt, ist noch unklar.

Licht ins Dunkel scheinen nunmehr die Mausversuche zu bringen. Denn werden die genveränderten Mäuse keimfrei aufgezogen, bleiben sie gesund. Wird jedoch der Darm der keimfrei aufgewachsenen Tiere mit Fäkalproben gesunder Mäuse „behandelt“, entwickeln die Tiere eine Krankheit, die der schubförmigen MS ähnlich ist. Wird den Tieren allerdings eine Mischung kultivierter Laborbakterien verabreicht, bleiben sie ebenfalls gesund.1 Für Professor Hohlfeld sind die Befunde ein Hinweis dafür, dass Faktoren aus der normalen Darmflora zumindest im Tiermodell dazu beitragen, eine MS hervorzurufen.

    Pflanzliche Fettsäure scheint das MS Risiko zu mindern

    Pflanzen - IconDen vor allem im Fisch enthaltenen mehrfach ungesättigten Fettsäuren (polyunsaturated fatty acids, PUFA) werden antientzündliche und immunmodulierende Eigenschaften nachgesagt. Es liegt daher nahe, den Zusammenhang mit chronisch entzündlichen Erkrankungen wie der MS zu untersuchen, zumal Beobachtungsstudien zufolge Menschen, die in Küstennähe leben und reichlich Fisch verzehren, seltener an MS erkranken als Personen im Landesinneren.Die bisherigen Studien aber lieferten kein einheitliches Ergebnis in puncto Fischfett.2 Das Team um die norwegische Forscherin Dr. Kjetil Bjørnevik von der Universität in Bergen hat sich der Frage angenommen und die Daten der großen Nurses‘ Health-Studie, in der alle zwei bis vier Jahre die Ernährungsgewohnheiten und der Gesundheitszustand von mehr als 170.000 Frauen erfasst wurden, genauer analysiert.

    Es zeigte sich, dass Frauen mit MS weniger PUFAs mit der Nahrung aufnahmen als Frauen ohne MS. Ein eindeutiger Zusammenhang war jedoch nur bei den pflanzlichen Fettsäuren zu sichern.3

    Immunzellen pendeln zwischen Liquor und Hirngewebe

    Gehirn - IconEine erhöhte Zahl von Immunzellen im Nervenwasser (Liquor) gilt als diagnostisches Indiz für die MS.4 Wie die Immunzellen in den Liquor gelangen, welche Funktion sie dort haben und wie sie mit dem Nervengewebe kommunizieren, ist bislang nicht geklärt. Wissenschaftler des Instituts für Neuroimmunologie und des Instituts für Multiple Sklerose Forschung (IMSF) der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) haben jetzt neue Erkenntnisse über die Immunfunktion des Nervenwassers gewonnen. 

    Mittels Echtzeitmikroskopie konnten die Forscher im Mausmodell die Bewegung von Immunzellen filmen. Sie entdeckten dabei, dass Immunzellen zwischen dem Nervenwasser und dem Gehirngewebe hin und her pendeln. Als Schaltstelle wirken die weichen Hirnhäute, die das Gehirngewebe umgeben. Sie entscheiden praktisch darüber, ob Zellen aus dem Liquor ins Hirngewebe übertreten dürfen oder nicht. Der Liquor stellt somit für Zellen eine Art Abstellkammer dar und trägt so mit dazu bei, dass potenziell gefährliche Zellen vom empfindlichen Nervengewebe ferngehalten werden. Die Forscher hoffen, aufgrund dieser Befunde neue Impulse für diagnostische und therapeutische Fortschritte bei der MS zu erhalten.4

    Quellen

    1. Hohlfeld et al., Nervenarzt 2015; 86 (8): 925–933
    2. Haghikia et al., Immunity 2015; 43 (4): 817–829 
    3. Dr. Bjørnevik, ECTRIMS 2015, Abstract 168; http://onlinelibrary.ectrims-congress.eu/ectrims/2015/31st/116668/kjetil.bjrnevik.polyunsaturated.fatty.acids.and.the.risk.of.multiple.sclerosis.html?f=m1s509899" (Letzter Zugriff: 29.08.2016, 16.32 Uhr) Cortese et al., Mult Scler 2015; 21(14): 1856-1864
    4. Schläger C et al., Nature 2016; 530: 349–353
    /sites/default/files/article-pdf/10_pdf_news-und-tipps.pdf