Leben mit MS

Unsichtbare Symptome bei MS

An einer Multiplen Sklerose zu leiden, kann den Alltag erschweren. Das liegt meist weniger an motorischen Behinderungen, sondern mehr an „unsichtbaren Symptomen“ der MS wie der sogenannten Fatigue und dem Nachlassen der geistigen Beweglichkeit, die viele Menschen mit MS beklagen. Deshalb ist es ratsam, solchen Phänomenen frühzeitig weitestmöglich gegenzusteuern.

Ohne Zweifel, eine Multiple Sklerose kann erhebliche Auswirkungen auf das Alltagsleben haben. Das betrifft nicht nur die möglicherweise zeitweise oder auch anhaltend eingeschränkte Mobilität. So können sich auch die häufig verminderte Belastbarkeit sowie Unsicherheiten über den Verlauf der Erkrankung auf die Partnerschaft auswirken wie auch allgemein auf das Familienleben und Freundschaften. Die Erkrankung hat zudem oft nicht nur Konsequenzen für das Privatleben, sondern kann auch zu Beeinträchtigungen der Arbeits- und Berufsfähigkeit führen.

Müdigkeit und Erschöpfung belasten das Alltagsleben 

Belastend sind vor allem die sogenannten „unsichtbaren Symptome“ der MS, also Symptome, die von Außenstehenden oftmals nicht bemerkt und/oder nicht mit der Erkrankung in Zusammenhang gebracht werden. In erster Linie gehört hierzu die Fatigue, also das Gefühl einer enormen Ermüdung und Erschöpfung. Viele Betroffene fühlen sich tagsüber müde und zerschlagen, obwohl sie genügend geschlafen haben. Sie leiden unter Energiemangel und Kraftlosigkeit und können dadurch oft ihre Alltagsaufgaben kaum bewältigen. Auch sind aufgrund der Fatigue nicht selten die geplanten Aktivitäten wie etwa der Zoo-, Kino- oder Theaterbesuch nicht möglich, was nicht nur die Lebensqualität schmälert, sondern auch die Partnerschaft und insgesamt das Familienleben beeinträchtigen kann.1 

Die Fatigue nicht tabuisieren 

Nicht wenige Menschen mit MS nehmen die Beeinträchtigungen als zwangsläufig zur Erkrankung gehörend hin und versuchen, diese zu überspielen und sogar zu leugnen. 

Andererseits werden die unsichtbaren Symptome als sehr belastend empfunden: So gibt rund ein Drittel der MS Erkrankten an, die Fatigue sei für ihn das am meisten belastende Symptom der MS. Das Phänomen ist dabei weit verbreitet. Immerhin leiden rund 80 Prozent der Menschen mit MS im Verlauf ihrer Erkrankung unter Fatigue.2 Wenn eine quälende Erschöpfung den Alltag beherrscht, sollte man darüber unbedingt mit seinem Arzt sprechen. Denn die Fatigue kann auch andere Ursachen als die MS haben. Es ist daher abzuklären, ob die Müdigkeit und Antriebslosigkeit nicht eventuell durch eine Depression, eine Blutarmut oder eine Schilddrüsenstörung bedingt ist. Ist das der Fall, so sollten diese Störungen möglichst behoben werden. Lässt sich keine Ursache außer der MS dingfest machen, geht es darum, das Symptom effektiv zu lindern. Wichtig ist eine gute medikamentöse Behandlung der MS mit möglichst umfassender Krankheitskontrolle. Hilfreich sind außerdem eine regelmäßige körperliche Aktivität und insbesondere ein moderates Ausdauertraining zum Beispiel durch Walking oder Jogging oder auch als Training auf dem Laufband im Fitnessstudio. 

Experten raten den Betroffenen zudem zu einem konsequenten „Energie-Management-Programm“: Konkret bedeutet dies, dass die anstehenden Aktivitäten sorgfältig geplant werden sollten mit ausreichenden Pausen während des Tages. Dabei ist auch vorab schon festzulegen, welche Aufgaben Priorität haben und was möglicherweise auch auf einen anderen Tag zu verschieben ist. Statt zu versuchen, quasi auf Biegen und Brechen zu „powern“, sollten Entspannungsübungen in den Tagesverlauf eingeplant werden zum Beispiel in Form von Yoga, Autogenem Training oder der Progressiven Muskelentspannung nach Jacobson. Wer vor allem bei Hitze an Fatigue leidet, kann eventuell auch durch kaltes Duschen oder das Tragen einer Kühlweste eine Besserung der Situation erwirken.

Nachlassende geistige Beweglichkeit beeinträchtigt das Berufsleben 

Die Fatigue ist dabei nicht das einzige „unsichtbare Symptom“ der MS. Es kann als Folge der Erkrankung auch zu einem Nachlassen der geistigen Beweglichkeit und zu Einbußen der geistigen (kognitiven) Leistungsfähigkeit kommen. So geben viele MS Erkrankte an, ihr Denkvermögen habe sich im Verlauf der Erkrankung verändert. Es fällt ihnen schwerer als früher, sich zu konzentrieren und sie werden vergesslicher. Die Ursache solcher Veränderungen kann in einem rascheren Rückgang des Hirnvolumens als bei Gesunden liegen. Denn es ist gut bekannt, dass das Gehirn des Menschen im Verlauf des Lebens unmerklich aber doch kontinuierlich schrumpft, ein Phänomen, das medizinisch als Hirnatrophie bezeichnet wird. Bei vielen Patienten mit MS scheint sich dieser Prozess beschleunigt zu vollziehen, was die Entwicklung kognitiver Defizite erklären kann. Es kommt dabei vor allem zu einer Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses und zu einer Verlangsamung im Bereich der Informationsverarbeitung.3 Mit anderen Worten: Die betroffenen Patienten tun sich schwerer damit als früher, neue Informationen aufzunehmen und sich zu merken. Das kann negative Konsequenzen für den beruflichen Alltag haben und beeinträchtigt ebenso wie die Fatigue die allgemeine Lebensfreude. 

Fitness fürs Gehirn

Ähnlich wie sich körperliche Funktionen trainieren lassen, können Menschen mit MS auch ihre geistigen Fähigkeiten trainieren. Möglich ist das mit Hilfe spezieller Trainingsprogramme in Form schriftlicher Aufgaben oder als computergestütztes Programm, erhältlich im Buchhandel oder im Internet. Außerdem fördert eine regelmäßig geistige Regsamkeit durch Lesen, Musizieren oder auch durch das Pflegen von Hobbys den Erhalt des Denkvermögens und der „geistigen Fitness“.

Quellen

  1. https://www.dmsg.de/multiple-sklerose-infos/ms-behandeln/ symptomatische-therapie/fatigue/ (Letzter Zugriff: 06.10.2017, 13.26 Uhr)
  2. Penner IK et al., Acta Neurol Scan 2016; 134 (Suppl. 200): 19–23
  3. https://www.dmsg.de/ms-kognition/beeintraechtigungen.html (Letzter Zugriff: 07.10.2017, 12.17 Uhr) 

/sites/default/files/article-pdf/pdf_ms-und-symptome.pdf