MS & Bewegung

Alltagsübungen gemeinsam trainieren

So werden Angehörige zum „Physiotherapeuten“

Alltägliche Bewegungen sind für manche Menschen mit Multipler Sklerose schwierig durchzuführen. Mit Unterstützung der Angehörigen können Alltagsbewegungen trainiert und die Koordination kann deutlich verbessert werden.

Übung: Wasser aus der Flasche in ein Glas gießen

Der Angehörige sitzt neben dem Familienmitglied mit MS am Tisch (Foto 1)

und schließt die Finger seiner Hand um dessen zweiten bis fünften Finger. Mit der anderen Hand umfasst er den Daumen (Foto 2).

Er bittet den an MS-Erkrankten nun, die Finger zu öffnen und den Daumen abzuspreizen und unterstützt die angebahnte Bewegung mittels seiner eigenen Hände. Gemeinsam greifen sie die Flasche (Foto 3).

Multiple Sklerose Flasche

Seine zweite, nun freigewordene Hand stabilisiert dabei den Oberkörper des Patienten an der Schulter, um ein Wegkippen des Körpers zur Seite zu verhindern. Beide heben gemeinsam die Flasche an und führen sie zum Glas (Foto 4).

Jetzt können beide zusammen die Eingießbewegung einleiten, wobei der an MS erkrankte Partner möglichst mit jeder Übung mehr selbst aktiv werden soll (Foto 5).

Der Angehörige hilft dem Patienten beim Umschließen der Flasche und sichert den Griff, indem er selbst ebenfalls mit einer Hand die Flasche greift, dabei aber versucht, den Patienten möglichst viel Gewicht selbst tragen zu lassen.

Es wird empfohlen, diese Übung zwei- bis dreimal täglich mit jeweils fünf Wiederholungen durchzuführen. Allerdings ist dabei nicht die Zahl der Wiederholungen wichtig. Entscheidend ist, dass die Übungen mit Ruhe und konzentriert wie beschrieben absolviert werden.

Das Team:
Christian Neuwahl ist staatlich geprüfter Physiotherapeut. Er arbeitet als Dozent an der Hochschule Fresenius und behandelt in der Düsseldorfer Praxis „360 Grad Physio“, in der die Fotos aufgenommen wurden, unter anderem Patienten mit Multipler Sklerose, um ihnen durch eine bessere Beweglichkeit zu mehr Lebensqualität zu verhelfen. Anne Schumann ist Fitnessökonomin und Wirtschaftspsychologin und war mehrere Jahre im Personal Training, der Ernährungsberatung und als Kurstrainerin tätig.

Bildquelle: Ursula Nerger

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