Gut zu wissen

Bei der Therapie ist Konsequenz gefragt

Schon früh in das Krankheitsgeschehen eingreifen

Die Multiple Sklerose zeigt üblicherweise einen schubförmigen Verlauf. Mit modernen Medikamenten lässt sich allerdings der Krankheitsverlauf günstig beeinflussen. Dass sich eine frühzeitige, an die individuelle Situation angepasste konsequente Behandlung auf lange Sicht positiv auf die Lebenssituation wie auch die Lebensqualität auswirkt, belegen aktuelle wissenschaftliche Studien.

Bildquelle: Sanofi Genzyme

Schon vor einigen Jahren wurde eindrucksvoll gezeigt, dass enorme Fortschritte bei der Behandlung der Multiplen Sklerose gemacht worden sind. So hat eine amerikanische Erhebung ergeben, dass knapp 17 Jahre nach der „Diagnose MS“ nahezu 90 Prozent der Patienten ohne Hilfe gehfähig sind1. Ohne Behandlung wäre über den gleichen Zeitraum betrachtet nur jeder zweite MS-Patient ohne Gehhilfe und ohne Rollstuhl in seinem Alltag ausgekommen1.

Auf lange Sicht die Lebensqualität erhalten

Zu verdanken ist diese günstige Entwicklung insbesondere der Möglichkeit, mit sogenannten krankheitsmodifizierenden Medikamenten (Disease Modifying Therapies, kurz DMTs) in das Krankheitsgeschehen einzugreifen. Die Medikamente modulieren die Immunreaktionen und wirken langfristig entzündungshemmend. Dadurch können Krankheitsschübe verhindert und die Entwicklung von Behinderungen gehemmt werden.

Die DMTs zeigen zum Teil eine unterschiedliche Wirkstärke, so dass die Therapie an die jeweilige Krankheitsaktivität angepasst werden kann. Inwieweit das für den Verlauf der MS bedeutsam ist, hat eine aktuelle Studie untersucht2. Es wurde festgestellt, dass der frühe Einsatz einer hocheffektiven krankheitsmodifizierenden Therapie langfristig das Risiko der Entwicklung von Behinderungen eindeutig mindert2. Weniger Behinderungen zu entwickeln, bedeutet aber zwangsläufig auch ein Plus an Lebensqualität für die Patienten.

Eine aktuelle Untersuchung australischer Wissenschaftler bestätigt den Befund3: Demnach verschlechtert sich ohne Behandlung der Gesundheitszustand bei rund 80 Prozent der MS-Patienten im Verlauf von zwei Jahrzehnten. Es entwickelt sich dabei aus der schubförmig-remittierenden MS (RRMS) das nächste Stadium der Krankheit – die sekundär progrediente MS (SPMS), die meist zu bleibenden Behinderungen führt. Eine konsequente Behandlung mit DMTs kann dieser Entwicklung entgegenwirken, wie die Studie dokumentiert. Sie hat ebenfalls gezeigt, dass die Effekte umso besser sind, je früher nach der Diagnose eine effektive krankheitsmodifizierende Therapie begonnen wird3.

Quellen: 1. Cree BAC et al., MS EPIC Team, Ann Neurol 2016; 80: 499-510; 2. Harding K et al., JAMA Neurol 2019; doi:10.1001/jamaneurol.2018.4905; 3. William J et al., JAMA 2019; 321 (2): 175–187. 

Lebensqualitätapropos

Für den einen ist es die Tatsache, sich ohne Hilfsmittel frei bewegen zu können, für den anderen bedeutet Lebensqualität, am gesellschaftlichen Leben uneingeschränkt teilhaben zu können. Es gibt allerdings auch Menschen, die materielle Unabhängigkeit als wichtiges Kriterium der Lebensqualität angeben, andere nennen als Basis das Gefühl, sich in ihrem Leben rundum wohl zu fühlen. Die Beispiele zeigen, dass der Begriff Lebensqualität subjektiv von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich erlebt wird. Menschen mit Multipler Sklerose eine hohe Lebensqualität zu erhalten, gehört zu den zentralen Zielen der modernen MS-Therapie. Was dies konkret bedeutet, lässt sich trotz aller Subjektivität durchaus auch objektiv fassen. Die Wissenschaftler haben hierzu spezielle Fragebögen erarbeitet, in denen verschiedene Kriterien der allgemeinen Lebensqualität erfragt werden. Die Antworten der Patienten geben Aufschluss darüber, wie diese ihre Lebensqualität beurteilen. Sie geben auch Hinweise darauf, wie sich die Lebensqualität im Verlauf der Behandlung verändert.

Wissenschaftler untersuchen die Lebensqualität von Patienten mit Hilfe von Fragebögen wie z.B.:

  • Die MS-spezifische Lebensqualität, bei der sich die Fragen gezielt um die Folgen der Erkrankung drehen. Erfasst wird dieser Bereich beispielsweise über den Fragebogen FAMS (Functional Assessment of Multiple Sclerosis).
  • Das physische Wohlbefinden, das über den Fragebogen SF-36 PCS (Short Form 36) eruiert wird und unter anderem die körperliche Funktionsfähigkeit, Schmerzen und die Vitalität erfragt.
  • Das mentale Wohlbefinden, das über den SF-36 MCS ermittelt wird und unter anderem das psychische Wohlbefinden, die emotionale Rollenfunktion sowie die soziale Funktionsfähigkeit abbildet.
  • Die gesundheitsbezogene Lebensqualität, die mit dem EQ-5D VAS (EuroQol-Fragebogen) erfasst wird, indem verschiedene Dimensionen wie die Mobilität, die Selbstversorgung, die Alltagsfähigkeit, Schmerz sowie das Gefühl von Angst und/oder Niedergeschlagenheit untersucht werden.
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